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praxisnah – 24.02.2009

Dritte Meinung

Ein Patient kommt zu mir und möchte die CD seiner kürzlich von mir durchgeführten Herzkatheteruntersuchung. Kein Problem, meine ich, er könnte sich gerne eine dritte Meinung einholen.

„Dritte Meinung?“ entgegnet er verblüfft. Ja, ich habe seinen etwas diffizilen Befund in einem großen kardiologischen Zentrum vorgestellt, die Kollegen hätten meinen Vorschlag zum weiteren Vorgehen bestätigt. Aber wenn er damit nicht zufrieden ist - bitte schön, hier ist die CD, schließlich ist er bei einem Ninaka und nicht bei einem Naka in Behandlung.

„Wie bitte?!“ Nun, so erläutere ich ihm, ein Ninaka ist ein nicht narzisstischer Kardiologe, der keine Probleme damit hat, seine Befunde von anderen beurteilen zu lassen. Demgegenüber handelt es sich bei einem Naka um einen narzisstischen Kardiologen, medizinhistorisch eng verwandt mit dem Halbgott in Weiß.

Nakas reagieren zornig, sollte ihr gefälltes Urteil in Frage gestellt werden. Mir sind Fälle von akuten Nakaismus bekannt, bei denen Patienten, die eine externe Meinung einholen wollten, aus der stationären Behandlung geworfen wurden. Dieses Prozedere kann für den Patienten natürlich problematisch werden.

Der Ninakaismus bringt nun andere Nachteile mit sich. So holt sich der Patient, der über seine Unterlagen verfügt, multipelste Meinungen zu seinen Befunden ein. Diese fächern nun das Spektrum der therapeutischen Empfehlungen extrem weit auf, sagen wir mal alles zwischen Schamanismus und Nihilismus. Das wiederum leitet den Patienten auf reichlich absurde Wege, aber kaum zum optimalen medizinischen Prozedere.

Alles klar? Bitteschön, hier ist Ihre CD. Mein Gegenüber zögert. „Ich.... ich weiß nicht so recht." Aber wieso? Hier ist Ihre CD! Sie ist nur für Sie bestimmt! Sie können damit machen, was Sie wollen!

"Ach, Herr Doktor, ich bin bei Ihnen sehr gut aufgehoben, ich brauche die CD doch nicht."  Vertrauensbildung ist manchmal eine sehr, sehr komplizierte Angelegenheit.


Leserkommentare

Hypersomniac am Dienstag, 13. September 2011, 19:17
Erinnert
mich an die Beziehung zwischen Mann und Frau.
Der Mann weiss am Ende nie, was die Frau nun eigentlich wollte und klatscht erfreut in die Hände, dass er dieses Mal offenbar in kein Fettnäpfchen getreten ist! :-)

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