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Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung: Zu mehr Aktivität motivieren, das bleibt eine Herausforderung

Dtsch Arztebl 2016; 113(14): A-672
PHARMA
Arand, Manuela

Für Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung. Dennoch scheint es von entscheidender Bedeutung zu sein, sie zusätzlich zu mehr körperlicher Bewegung zu animieren.

Pulmonale Überblähung und die Angst vor Atemnot sind zentrale Gründe, weshalb Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) ihre körperliche Aktivität immer mehr zurückschrauben. Eine effektive bronchodilatatorische Therapie bessert die Symptome und erhöht die Belastbarkeit. Um Patienten nachhaltig zu mehr Bewegung zu veranlassen, braucht es jedoch zusätzliche Motivationshilfen.

Inspiratorische Kapazität wird zunehmend reduziert

Die Atemwegsobstruktion bei COPD führt zur dynamischen Lungenüberblähung, weil vor allem die Ausatmung behindert ist und daher im Ende der Expiration immer mehr Luft in der Lunge verbleibt, erklärte Priv.-Doz. Dr. med. Henrik Watz, LungenClinic Großhansdorf. Die inspiratorische Kapazität wird zunehmend reduziert.

In Ruhe merken die Patienten das zunächst kaum. Bei Belastung jedoch kann der COPD-Kranke die Atemtiefe nicht mehr steigern, sondern muss den erhöhten Bedarf durch Beschleunigung der Atemfrequenz kompensieren, was schnell an Grenzen stößt. Nicht gedeckter O2-Bedarf, Ineffizienz der Atmung und Brustenge lösen das Gefühl der Dyspnoe aus.

Lang wirksame Bronchodilatatoren reduzieren die pulmonale Überblähung, Antimuskarinika (LAMA) noch wirksamer als Beta2-Agonisten (LABA). Als besonders effektiv hat sich die Kombination beider Wirkprinzipien erwiesen. Sie steigert inspiratorische Kapazität (IC) und körperliche Belastbarkeit und reduziert dadurch das subjektive Atemnotempfinden stärker als ein LAMA oder LABA alleine.

Bessere Belastbarkeit und weniger Dyspnoe bedeuten jedoch nicht, dass sich der Patient im Alltag tatsächlich mehr bewegt, betonte Watz. Bisherige Studien zu dieser Frage kamen zu gemischten Ergebnissen – zwei zeigten keinen Unterschied in der körperlichen Aktivität unter bronchodilatatorischer Therapie im Vergleich zu Placebo, zwei andere ergaben eine signifikante Diskrepanz zugunsten der Verumgruppe.

Watz hat bei der Tagung der British Thoracic Society im vergangenen Dezember erstmals die Ergebnisse der MOVE-Studie an 194 Patienten mit moderater bis schwerer COPD vor, in der neben der IC erstmals ein Aktivitätsparameter als ko-primärer Endpunkt gewählt worden war, nämlich der durchschnittliche aktivitätsinduzierte Kalorienverbrauch pro Tag.

Behandelt wurde mit Glycopyrronium/Indacaterol oder Placebo im Crossover-Design, wobei die einzelnen Therapiephasen jeweils drei Wochen dauerten. Die IC nahm unter dualer Bronchodilatation als Zeichen des Rückgangs der Überblähung erwartungsgemäß zu, der Unterschied zu Placebo betrug 202 mL und war hochsignifikant (p < 0,0001). Beim Energieverbrauch lag die Verumgruppe um 36,7 kcal/Tag vorn (p = 0,04), bei der Schrittzahl als wichtigstem sekundären Endpunkt um 358/Tag (p = 0,03).

Zu verdanken war diese Diskrepanz allerdings nicht einer Aktivitätszunahme unter Glycopyrronium/Indacaterol, sondern einem Rückgang der Aktivität in der Placebogruppe, während die Verumgruppe ihr Aktivitätslevel gehalten hatte. Watz gab jedoch zu bedenken, dass die Patienten keinerlei Instruktion zu mehr Bewegung erhalten hatten.

Offensichtlich benötigen die Patienten zusätzliche Motivation, um aktiver zu werden. Das kann zum Beispiel per Schrittzähler-Feedback erfolgen. In einer aktuellen Studie steigerten Patienten, die ein Pedometer und eine Vorgabe für die tägliche Schrittzahl erhalten hatten, ihre Schrittzahl um 870/Tag, während Patienten ohne Schrittzähler 680 Schritte weniger zurücklegten als zu Beginn.

Patienten spielerisch durch Apps zu Bewegung ermuntert

Als weitere Motivationshilfe stellte Prof. Dr. Arno Schmidt-Trucksäss, MD MAFESC, Universität Basel, eine von ihm mitentwickelte App vor, bei der Patienten spielerisch zu mehr Aktivität ermuntert werden. In der „Mission: Schweinehund“ gibt es für jede Trainingseinheit Ressourcen, die zum Bau eines virtuellen Gartens verwendet werden. Patienten-Flyer mit Angaben zum kostenlosen Download erhalten Ärzte vom Novartis-Außendienst. Außer für COPD-Patienten eignet sich die App auch für andere chronisch Kranke.

Manuela Arand

Quelle: Presse-Workshop „Mehr bewegen, besser leben – Duale Bronchodilatation punktet als essentieller Baustein im COPD-Management“ und 5. Novartis Pneumologentage „Aeque non idem“ in Berlin.

LNSLNS